Lektion 1

Es ist die Existenz, die von uns wahrgenommen wird. Wir existieren, und außer uns existieren alle anderen; wir sind nicht Nichts, sondern Existenz, wir besitzen nichts außer Existenz, wir finden nichts außer Existenz, und wir sehen nichts außer Existenz. Existenz heißt Dasein. Der Gegensatz davon ist Inexistenz, also Nichts, und da Inexistenz nichts ist, so ist Inexistenz einfach überhaupt nichts, es ist nichts, daher kann es auch nicht wahrgenommen werden; man kann die Inexistenz allenfalls als ‚Trittbrettfahrer’ der Existenz in Erwägung ziehen. Es ist die Existenz, die Ursache verschiedener Wirkungen ist, und alles, was entsteht, kann nur aus Existenz entstehen und nicht aus der Inexistenz. Das ist die geläufigste und selbstverständlichste Lektion.

Wir wiederholen also: außer der Existenz gibt es nichts, alles Existierende und jede Wirkung entsteht aus Existenz. Betrachten wir nun unsere Umgebung und die durch unser Sehvermögen wahrnehmbare Dinge und überlegen uns, welche Existenzauswirkung welchen Dinges intensiver ist: es gibt eine Art von sichtbaren Dingen, die äußerlich weder zu empfinden vermögen, noch sich bewegen, entwickeln und wachsen können wie Steine, Erde und dergleichen, die wir als ‚leblose’ Dinge bezeichnen. Eine andere Art der sichtbaren Dinge besitzen zum Teil Empfindung und Bewegung und deutliches Wachstum. Das sind die verschiedenen Arten von Pflanzen. Wenn wir die ‚leblosen’ Dinge und Pflanzen miteinander vergleichen, stellen wir fest, dass beide in ihrer Existenz gleich sind: jeder von ihnen besitzt Volumen, Masse und Gewicht. Sie unterscheiden sich voneinander aber dadurch, dass Pflanzen wachsen und gewissermaßen empfinden und mit Einschränkung Bewegungsfähigkeit besitzen, der ‚leblose’ Gegenstand aber diese Eigenschaft als Vollkommenheit entbehrt. Und daher besitzt das Ding, das diese Eigenschaft als relative Vollkommenheit besitzt (d.h. die Pflanze), auch eine intensivere Existenz und Auswirkung. Die Pflanze hat also eine höhere Stufe inne als das leblose Ding.

Betrachten wir eine andere Gattung der Dinge, denen verschiedene Bewegungen eigen sind: sie empfinden bedeutend stärker als die Pflanzen. Sie verhalten sich auch anders und haben verschiedene Aktivitäten, die alle willkürlich sind - das ist das Tierreich. Und wenn wir dieses Reich mit dem Pflanzenreich vergleichen, stellen wir fest, dass beide Arten in Existenz und Masse und deren Bedürfnisse gleich sind. Das Tierreich verzeichnet wie auch die Pflanzenwelt ein Wachstum, d.h. die Tiere besitzen eine Kraft, mit der sie Nahrung aufnehmen und wachsen. Diese Kraft ist beiden Reichen gemein. Wir stellen aber fest, dass das Tier höher entwickelte Eigenheiten besitzt, die die Pflanze entbehrt: das sind willkürliche Bewegungen und Handlungen. Zweifelsohne ist eine höhere Intelligenz die Ursache dieser. Daher sind die Lebensäußerungen eines Tieres bei weitem intensiver als bei einer Pflanze. Somit befindet sich das Tierreich auf einer höheren Stufe als die Pflanzenwelt. Es gibt noch eine andere Art der Existenz, die alle Existenzeigenschaften des Tierreichs besitzt, wie Wachstum, Wahrnehmung, willkürliche Bewegung etc. Aber aus ihr gehen auch Handlungen hervor, zu denen kein Tier fähig ist. Wir stellen weiters fest, dass alle Tiere, Pflanzen und ‚leblose’ Dinge ihr unterworfen sind und sie alle drei genannten Arten beherrscht; dieses wundersame Wesen ist der Mensch. Die existenziellen Kräfte der Menschen sind bedeutend stärker als die von Tieren. So hat der Mensch auch eine höhere Stufe als das Tier.

Bei weiterer Überlegung stellen wir fest, dass Existenzäußerung und -auswirkung des wissenden Menschen weitaus intensiver als die eines Nicht-Wissenden sind. Alle Entdeckungen und Erfindungen usw. stammen von Wissenschaftern und nicht von Unwissenden; der nicht-wissende Mensch ist dem Wissenden unterlegen und von ihm abhängig. In Wahrheit ist also das Wissen und die Kenntnis das Hauptkriterium aller Bevorzugungen und Privilegien. Daher ist der wissende Mensch höher gestuft als unwissende Menschen, Tiere, Pflanzen und leblose Gegenstände; in Wahrheit sind also Wissen und Kenntnis das ehrbarste Wesen und in der Rangstufe höher als alle anderen. Wir werden später bei der Essenz des Wissens feststellen, wie edel es ist.

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